Was macht eine Sicherheitsvertrauensperson?

Arbeitssicherheit

Warum Unternehmen auf engagierte SVPs nicht verzichten sollten.

Silke Waidacher
Leitung SVP-Netzwerk Österreich

Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen entstehen nicht von selbst. Sie sind das Ergebnis einer gelebten Sicherheitskultur, klarer Verantwortlichkeiten und einer aktiven Beteiligung aller Personen im Unternehmen. Eine wichtige Rolle übernehmen dabei die Sicherheitsvertrauenspersonen (SVPs).

Viele Unternehmen sehen die Bestellung von Sicherheitsvertrauenspersonen zunächst als lästige gesetzliche Verpflichtung.

Tatsächlich können engagierte und gut ausgebildete SVPs jedoch weit mehr bewirken: Sie tragen dazu bei, Risiken frühzeitig zu erkennen, die Kommunikation zu verbessern und eine nachhaltige Sicherheitskultur im Unternehmen zu stärken.

Doch welche Aufgaben haben Sicherheitsvertrauenspersonen konkret? Welchen Nutzen bringen sie für Arbeitgeber und Mitarbeiter:innen? Und warum ist ihre kontinuierliche Weiterbildung so wichtig?

Was ist eine Sicherheitsvertrauensperson?

Sicherheitsvertrauenspersonen sind speziell ausgebildete Mitarbeiter:innen, die Arbeitgeber bei der Umsetzung von Maßnahmen im Bereich Sicherheit und Gesundheit unterstützen.

Sie fungieren als Bindeglied zwischen Belegschaft, Führungskräften, Sicherheitsfachkräften, Arbeitsmediziner:in und Arbeitgeber.

⚠️ Wichtig: Sie übernehmen dabei keine Kontrollfunktion und tragen auch keine rechtliche Verantwortung für den Arbeitnehmerschutz. Diese verbleibt weiterhin bei den Arbeitgebern und den jeweiligen Führungskräften.

Ihre besondere Stärke liegt vielmehr darin, nah am betrieblichen Geschehen zu sein, Sicherheits- und Gesundheitsrisiken frühzeitig wahrzunehmen und Verbesserungen anzustoßen.

Die wichtigsten Aufgaben einer Sicherheitsvertrauensperson

Sicherheitsvertrauenspersonen leisten einen wertvollen Beitrag zur Prävention von Arbeitsunfällen und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren. Zu ihren zentralen Aufgaben zählen:

1. Ansprechpartner für Mitarbeiter:innen

Mitarbeiter:innen wenden sich häufig zuerst an die Sicherheitsvertrauensperson, wenn sie Sicherheitsmängel, Beinaheunfälle oder gesundheitliche Belastungen feststellen.

SVPs hören zu, nehmen Anliegen auf und unterstützen dabei, geeignete Lösungen zu finden oder die zuständigen Stellen einzubinden.

2. Sicherheits- und Gesundheitsrisiken erkennen

Durch ihre tägliche Präsenz im Arbeitsumfeld erkennen Sicherheitsvertrauenspersonen oft frühzeitig Risiken und Verbesserungspotenziale.

Unsichere Arbeitsabläufe

Stolpergefahren

Sturzgefahren

Fehlende oder beschädigte Schutzeinrichtungen

Ergonomische Belastungen

Mängel bei Ordnung und Sauberkeit

Psychische Belastungsfaktoren

Organisatorische Schwachstellen

Je früher solche Risiken erkannt werden, desto schneller können geeignete Maßnahmen gesetzt werden.

3. Mitwirkung bei Verbesserungsmaßnahmen

Sicherheitsvertrauenspersonen bringen ihre Erfahrungen und Beobachtungen aktiv in die Gestaltung sicherer und gesunder Arbeitsbedingungen ein.

Sie unterstützen beispielsweise bei:

  • Sicherheitsrundgängen

  • Unterweisungen

  • Evaluierungen von Gefahren und Belastungen

  • Präventionsprojekten

  • Maßnahmen zur Gesundheitsförderung

  • Kampagnen zur Sensibilisierung von Mitarbeiter:innen

4. Förderung einer gelebten Sicherheitskultur

Sicherheit entsteht nicht allein durch Vorschriften und Dokumente.

Entscheidend ist, wie Sicherheit im Arbeitsalltag gelebt wird.

Sicherheitsvertrauenspersonen wirken als Multiplikator und fördern ein bewusstes und verantwortungsvolles Verhalten im Umgang mit Sicherheit und Gesundheit. Sie motivieren Kolleg:innen, auf Gefahren aufmerksam zu machen, Schutzmaßnahmen einzuhalten und aktiv zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen beizutragen.

5. Sicherheitsvertrauenspersonen als Erfolgsfaktor für Unternehmen

Gut eingebundene Sicherheitsvertrauenspersonen leisten einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg. Sie helfen nicht nur dabei, gesetzliche Anforderungen zu erfüllen, sondern schaffen einen konkreten Mehrwert für die gesamte Organisation.

6. Risiken frühzeitig erkennen und Kosten vermeiden

Arbeitsunfälle, Ausfallzeiten und Gesundheitsbelastungen verursachen erhebliche direkte und indirekte Kosten.

Sicherheitsvertrauenspersonen sind täglich vor Ort und erkennen Veränderungen häufig früher als andere Beteiligte. Dadurch können Risiken rechtzeitig reduziert und kostenintensive Folgen vermieden werden.

7. Kommunikation verbessern

Eine wirksame Prävention lebt von einer offenen Kommunikation.

Sicherheitsvertrauenspersonen schaffen eine direkte Verbindung zwischen Mitarbeiter:innen und Unternehmensleitung. Anliegen, Beobachtungen und Verbesserungsvorschläge gelangen schneller an die richtigen Stellen und können gezielt bearbeitet werden.

8. Akzeptanz von Maßnahmen erhöhen

Veränderungen werden von Mitarbeitenden häufig besser angenommen, wenn Kolleg:innen aktiv in deren Umsetzung eingebunden sind.

Sicherheitsvertrauenspersonen können Maßnahmen erklären, Fragen beantworten und Rückmeldungen aus der Praxis einbringen. Dadurch steigt die Akzeptanz und Wirksamkeit von Arbeitsschutzmaßnahmen.

9. Führungskräfte und Arbeitgeber unterstützen

SVPs ersetzen keine Führungskräfte und keine Präventivfachkräfte. Sie können diese jedoch wirkungsvoll unterstützen, indem sie als zusätzliche Ansprechpersonen im Betrieb fungieren und sicherheitsrelevante Themen kontinuierlich im Blick behalten.

10. Arbeitgeberattraktivität stärken

Unternehmen, die Sicherheit und Gesundheit aktiv fördern, werden von Mitarbeiter:innen zunehmend als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen.

Engagierte Sicherheitsvertrauenspersonen leisten einen wichtigen Beitrag dazu, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich Menschen sicher fühlen und gerne arbeiten.

Was können Sicherheitsvertrauenspersonen im Betrieb positiv bewirken?

Die Wirkung engagierter Sicherheitsvertrauenspersonen geht weit über die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen hinaus.

Sie können dazu beitragen …

  • Arbeitsunfälle zu reduzieren
  • Beinaheunfälle sichtbar zu machen
  • Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen
  • ergonomische Verbesserungen anzustoßen
  • psychische Belastungen zu thematisieren
  • die Beteiligung von Mitarbeiter:innen zu fördern
  • die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen zu stärken
  • Sicherheitsbewusstsein nachhaltig zu verankern
  • die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen zu erhöhen
  • eine positive Sicherheitskultur zu entwickeln

Kurz gesagt:

Sicherheitsvertrauenspersonen machen Sicherheit und Gesundheitsschutz im Unternehmen sichtbar, greifbar und lebendig.

Warum Weiterbildung für Sicherheitsvertrauenspersonen unverzichtbar ist

Die Arbeitswelt verändert sich laufend. Neue Technologien, digitale Arbeitsformen, gesetzliche Neuerungen, veränderte Arbeitsabläufe und steigende Anforderungen an Sicherheit und Gesundheit erfordern aktuelles Wissen.

Die gesetzlich vorgeschriebene Grundausbildung bildet dafür eine wichtige Basis. Um ihre Rolle langfristig wirksam wahrnehmen zu können, benötigen Sicherheitsvertrauenspersonen jedoch eine kontinuierliche fachliche Weiterentwicklung.

Regelmäßige Weiterbildung ermöglicht es ihnen,

  • aktuelle rechtliche Entwicklungen zu kennen,

  • neue Risiken frühzeitig zu erkennen,

  • moderne Präventionsansätze anzuwenden,

  • ihre Beratungskompetenz auszubauen,

  • Erfahrungen mit anderen Sicherheitsvertrauenspersonen auszutauschen und

  • ihre Rolle im Unternehmen noch wirksamer auszufüllen.

Davon profitieren nicht nur die Sicherheitsvertrauenspersonen selbst, sondern vor allem die Mitarbeiter:innen, Führungskräfte und Arbeitgeber.

Fazit

Sicherheitsvertrauenspersonen sind weit mehr als eine gesetzliche Verpflichtung. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur Unfallprävention, zur Gesundheitsförderung und zur Entwicklung einer nachhaltigen Sicherheitskultur im Unternehmen.

Als wichtige Schnittstelle zwischen Mitarbeitenden, Führungskräften und Arbeitgeber erkennen sie Risiken frühzeitig, fördern den Dialog und unterstützen die kontinuierliche Verbesserung von Arbeitsbedingungen.

Unternehmen, die ihre Sicherheitsvertrauenspersonen aktiv einbinden und deren Weiterentwicklung fördern, investieren nicht nur in die Sicherheit ihrer Mitarbeiter:innen, sondern auch in ihre Zukunftsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitgeberattraktivität.

Gemeinsam mehr erreichen – mit dem SVP-Netzwerk Österreich

Sicherheitsvertrauenspersonen stehen in ihrem Arbeitsalltag oft vor ähnlichen Herausforderungen. Der Austausch mit anderen SVPs kann dabei wertvolle Impulse liefern und neue Lösungsansätze eröffnen.

Das SVP-Netzwerk Österreich unterstützt Sicherheitsvertrauenspersonen mit Fachinformationen, Praxistipps, aktuellen Gesetzesinformationen, Downloads, Netzwerktreffen und dem Austausch mit Kolleg:innen aus unterschiedlichsten Branchen.

Denn eine starke Sicherheitskultur entsteht dort, wo Wissen geteilt, Erfahrungen ausgetauscht und Menschen miteinander vernetzt werden.